Wie Friederike bereits vor einigen Monaten schrieb, ist die Studienstiftung des Deutschen Volkes nicht nur das größte, sondern auch das einzige weder politisch noch konfessionell gebundene Stipendienwerk in Deutschland. Ich habe das große Glück schon seit 2015 von der Studienstiftung gefördert zu werden, genau wie Friederike dank des Schulvorschlages durch das GidW. In diesem Artikel möchte ich von meinen Erfahrungen in den letzten Jahren berichten, um einen Einblick zu geben, aber auch um aktuelle und zukünftige Abiturienten zu ermutigen, euch dort zu bewerben – ob mit Schulvorschlag oder ohne.

Nach meinem Abitur 2013 (übrigens ‚nur‘ mit 1,5) habe ich zunächst mehrere Monate gearbeitet, ein Praktikum gemacht, und bin schließlich sechs Monate durch England gereist. Meinen Bachelor begann ich dann ein Jahr später, im Sommer 2014: „Technology and Liberal Arts & Sciences“ an der University of Twente in Enschede. Nachdem ich das Studium begonnen hatte, konnte ich dann auch Gebrauch von meinem Schulvorschlag machen und mich bei der Studienstiftung bewerben. Nachdem ich den Bewerbungsprozess inklusive Auswahlwochenende mit vielen anderen nervösen Studienanfängern erfolgreich überstanden hatte, durfte ich viele Formulare ausfüllen, und kam dann in den Genuss der ersten Vorteile des Stipendiums – die finanziellen: jeden Monat die gleiche Summe wie Bafög geschenkt, und zusätzlich 300€ Studienkostenpauschale. Natürlich macht diese finanzielle Förderung das Studium deutlich entspannter, und hat mir vieles, wie zum Beispiel meinen Master in „Design Informatics“ an der University of Edinburgh auch erst ermöglicht. Vor allem bei Auslandsvorhaben ist die Studienstiftung nämlich sehr großzügig und hat mit 10.000€ einen Großteil meiner Studiengebühren bezahlt sowie durch einen monatlichen Auslandszuschlag mit den hohen Lebenshaltungskosten in Edinburgh geholfen.

Dennoch rückt die finanzielle Förderung fast in den Hintergrund, wenn ich mir überlege wie ungemein ich von der ideellen Förderung sowie vom Netzwerk der anderen Stipendiaten profitiert habe. Bei den regelmäßigen Niederlande-Stammtischen durfte ich sowohl die Kneipenszene anderer niederländischer Städte wie auch viele tolle andere Stipendiaten kennenlernen. So habe ich Leute aus den unterschiedlichsten Studienfeldern kennengelernt und unzählige interessante Gespräche gehabt. Sogar einen meiner Mitbewohner in Edinburgh habe ich über die Studienstiftung getroffen. Auch gibt es stets Veranstaltungen zu aktuellen Themen: Im Herbst 2015 war ich bei einem Stipendiaten-organisierten Auslandstreffen zu Zukunftsperspektiven für die EU; vier Jahre später hatten dann die Briten ihre ganz eigene Zukunftsperspektive entwickelt, die wir beim UK-Auslandstreffen zum Brexit beleuchten durften. Zusätzlich musste ich dank der finanziellen Förderung nur sporadisch neben dem Studium arbeiten und hatte dadurch Zeit mich auf vielfältige Art und Weise unentgeltlich an der Uni und außerhalb zu engagieren, was ich ebenfalls als großes Privileg empfinde.

Falls du also kürzlich Abitur gemacht hast und für die Studienstiftung vorgeschlagen wurdest – Herzlichen Glückwunsch, und mach auf jeden Fall Gebrauch von dem Vorschlag!

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass der Schulvorschlag bei weitem nicht der einzige Weg ist, in die Studienstiftung aufgenommen zu werden – man kann auch später, wenn man schon im Studium ist, von einem Dozenten oder Professor vorgeschlagen werden, oder sich sogar ganz ohne Vorschlag selbst bewerben. Aus meinem Abi-Jahrgang 2013 ist zum Beispiel Therese Heise über einen Professorenvorschlag aufgenommen worden. Außerdem gibt es noch viele andere Stipendienwerke, bei denen eine Bewerbung sich auch auf jeden Fall lohnt.

Um mehr über die Studienstiftung und Stipendien allgemein zu erfahren, kontaktiert gerne Herrn Fraas oder Frau Derkes. Falls an mich irgendwelche Fragen bestehen, schickt sie gerne an Herrn Fraas, der sie mir weiterleiten wird.

Sarah Schöttler